„Keine menschliche Produktion ist möglich, ohne dass die Natur schon produziert hat, und keine Erwerbsarbeit ist möglich ohne vorher geleistete Sorgearbeit.“
(Adelheid Biesecker in: Vorsorgendes Wirtschaften. Zum Verhältnis von Zeit- und Güterwohlstand aus der Geschlechterperspektive. 9 Thesen)

„As a policy maker you cannot make good policy if the single largest sector of your nation’s economy is not visible.“ (Marilyn Waring, TED Talk 17.02.2020, Minute 12)

„Care-Arbeiter*innen leben und arbeiten nicht nur prekär. Sondern indem sie prekär leben und arbeiten, bleibt das System am Laufen. Würden alle Fürsorge-Arbeiter*innen … darauf bestehen, dass ihre Tätigkeit wirklich anerkannt wird, reichten nicht ein paar Tausend neue Pflegestellen. … Es geht nicht um ein bisschen mehr Lohn und Anerkennung. Es geht um einen neuen Entwurf für unsere nötige Fürsorge füreinander.“ (Julia Fritzsche, Tiefrot und radikal bunt. Für eine neue linke Erzählung, Hamburg 2019, 38f)

„Es braucht schon die Last der Tradition und ein Gestrüpp aus privaten und politischen Erwartungen, um eine simple Wahrheit zu verdecken: Die unbezahlte Arbeit der Frauen ist eine Quersubventionierung der Privatwirtschaft.“ (Elisabeth Raether in: Frauen seid dankbar! zeit-online vom 17. Mai 2020)

„Die Dethematisierung ist eine erfolgreiche Strategie. Unbezahlte Arbeit bleibt auch jetzt, in der Extremsituation der Pandemie, da die Belastung ins Absurde steigt, das private Problem der Frauen.“ (Elisabeth Raether in: Frauen, seid dankbar! zeit-online vom 17.05.2020)

„Das englische Wort „Care“, das ins Deutsche übersetzt Fürsorge, aber auch Achtsamkeit, Obhut, Pflege und Umsicht bedeutet, steht … zum einen für das Bewusstsein von Abhängigkeit, Bedürftigkeit und Bezogenheit als menschliche Grundkonstitution, und zum anderen für konkrete Aktivitäten von Fürsorge in einem weiten Sinne. Es geht um ein „Sorgen für die Welt“, und zwar nicht nur durch pflegerische und sozialarbeiterische Tätigkeiten oder Hausarbeit im engen Sinn, sondern auch durch den Einsatz für einen kulturellen Wandel.“ (Michaela Moser in: ABC des guten Lebens, Rüsselsheim Christel Göttert Verlag  2012, 3. Aufl. 2015, Art. Care)

„Capitalism produces ecological crisis for the same reason it produces inequality: because the fundamental mechanism of capitalist growth is that capital must extract (from nature and labour) more than it gives in return.“ (Jason Hickel on Twitter, 06/21/2020)

„Le soin n’appartient pas à une caste de soignants qui distribueraient leurs soins, comme d’autres les bonnes paroles, à des patients incapables d’être eux-mêmes actifs dans la démarche du soin. Le soin est une fonction en partage, relevant de l’alliance dialectique, créative, des soignants et des soignés, qui, ensemble, font éclore und dynamique singulière, notamment tissée grâce à la spécificité des sujets qu’ils sont.“ (Cynthia Fleury, Le soin est un humanisme, Paris 2019, 20)

„Care is not only the ‘hands-on’ care people do when directly looking after the physical and emotional needs of others. ‘Care’ is also an enduring social capacity and practice involving the nurturing of all that is necessary for the welfare and flourishing of human and non-human life.“ (COVID-19 pandemic: A Crisis of Care)

„Diverse forms of care between all human and non-human creatures need to be recognised and valued. This is what we call ‘an ethics of promiscuous care’.“ (COVID-19 pandemic: A Crisis of Care)

„Our caring imaginaries must move beyond the nation state and to the furthest reaches of the ‘strangest’ parts of the planet.“ (COVID-19 pandemic: A Crisis of Care)

„Um so dringlicher wird als integraler Bestandteil der ökologisch-sozialen Nachhaltigkeit eine ‚Care-Revolution‘, die diese unverzichtbaren, aber überwiegend schlecht bezahlten Tätigkeiten ins Zentrum der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit rückt. Wir alle nehmen gegenwärtig wahr, was tatsächlich lebenswichtig ist: Ohne Profifußball lässt es sich auch für Fußballfans über längere Zeiträume hinweg sehr gut leben, nicht aber ohne Bäckerinnen, Landwirte, Arzthelferinnen, LKW-Fahrer und hilfsbereite Nachbarn. Wir alle brauchen eine gut funktionierende soziale Infrastruktur.“ (Klaus Dörre, Nicht jede Krise ist eine Chance, in: Jacobin vom 17.04.2020)

„We would all be dead if it weren’t for the work of caring for children, the elderly, and the sick. We would be in very bad shape if our day-to-day needs for food, clean clothes, and a habitable place to live weren’t cared for. There wouldn’t even be a labor force to go to their jobs or businesses if it weren’t for the work of caregiving.“ (Riane Eisler, The Real Wealth of Nations, San Francisco 2007, 35)

„Frauen und unterworfene Völker werden so behandelt, als gehörten sie nicht zur eigentlichen Gesellschaft, die aus (männlichen) Lohnarbeitern und Kapitalisten besteht. Sie werden behandelt, als wären sie notwendige Produktionsbedingungen oder ‚Naturressourcen‘ wie Wasser, Luft, Erde. Die ökonomische Logik hinter dieser Kolonisierung besteht darin, dass Frauen (als Produzentinnen von Menschen) und Land Güter sind, die auf keine Weise kapitalistisch herzustellen sind. Kontrolle über Frauen und Land ist daher die Grundlage jedes auf Ausbeutung basierenden Systems. … Das Verhältnis zu ihnen ist ein Aneignungsverhältnis.“ (Claudia von Werlhof, Maria Mies, Veronika Bennholdt-Thomasen, Frauen, die letzte Kolonie, Reinbek b. Hamburg 1983, 9)

„Humans simply do not spring out of the Earth. Humans are born of women, nurtured and cared for as dependent children and socialised into family and community groups through carework.“ (Julie Nelson, Husbandry. A (feminist) reclamation of masculine responsibility of care, in: Cambridge Journal of Economics 40/August 2015, 1-15, hier: 3)

„The place of care in the economy is everywhere.“ (Julie Nelson, Husbandry s.o. 12)

„Die Wirtschaftslehre ist … die Muttersprache der öffentlichen Ordnung, die Sprache des öffentlichen Lebens und die Geisteshaltung, welche die Gesellschaft formt. … Wie wäre es, wenn wir nicht die etablierten, althergebrachten Theorien an den Anfang der Ökonomie stellen, sondern stattdessen die langfristigen Ziele der Menschheit, und versuchten, ein ökonomisches Denken zu entwickeln, das uns in die Lage versetzt, diese Ziele zu erreichen?“
(Kate Raworth, Die Donut Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört, München 2018, 15, 19)

„Ich habe ein Gedankenmotiv und eine grundlegende Intuition. Diese geht (…) auf religiöse Traditionen etwa der protestantischen oder jüdischen Mystiker zurück (…). Der motivbildende Gedanke ist die Versöhnung der mit sich selber zerfallenden Moderne; die Vorstellung also, dass man ohne Preisgabe der Differenzierungen, die die Moderne (…) möglich gemacht haben, Formen des Zusammenlebens findet, in der wirklich Autonomie und Abhängigkeit in ein befriedetes Verhältnis treten: dass man aufrecht gehen kann in einer Gemeinsamkeit, die nicht die Fragwürdigkeit rückwärtsgewandter substantieller Gemeinschaftlichkeit an sich hat.“ (Jürgen Habermas, in: NZZ vom Samstag, 15. Juni 2019)

„Der eigentliche Zweck wirtschaftlichen Handelns sollte darin bestehen, die Dinge zu produzieren, die den Menschen eine glückliche und zufriedene Existenz ermöglichen“ (Mathias Binswanger, Die Tretmühlen des Glücks, Freiburg i.Br. 2006, 179)

„Die Dienstbereitschaft der (Haus-)Frauen, die jahrzehntelang so selbstverständlich umsonst zur Verfügung stand wie frische Luft, ist heute eine knapper werdende Ressource. … Die Lücke, die Frauen zu Hause hinterlassen, wird (kaum durch Männer, sondern) durch ihre eigene Mehrarbeit am Feierabend und am Wochenende sowie durch die Arbeit anderer Frauen gefüllt.“ (Maria S. Rerrich, in: Johan Schloeman, Wer sind die unsichtbaren Geister? Die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern ist gescheitert, in: Süddeutsche Zeitung vom 19. Mai 2010)

„Dass der bei Weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem, dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, dass diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen, allein zu gehen.“ (Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (1784) in: Immanuel Kant, Sämtliche Werke Bd. 4, o.O. 2000, 220-226, hier : 221)

„Virtually any form of labor can be described as ‚caring‘ in the sense that it results in activities that help meet the needs of others.“ (Nancy Folbre, zitiert in: David Gaeber, Bullshit Jobs. A Theory, NY 2018, 232)

„Actually I’d even propose we replace ‚production‘ and ‚consumption‘ with ‚caring‘ and ‚freedom‘ — caring is any action ultimately directed towards maintaining or increasing another person, or other people’s freedom, just as mothers take care of children not just so they are healthy and grow and thrive, but most immediately, so they can play, which is the ultimate expression of freedom.“ (David Graeber, Imagining A World With No Bullshit Jobs, Roar, 7th of August 2018)

„…As many feminist economists have pointed out, all labor can be seen as caring labor, since … even if one builds a bridge, it’s ultimately because one cares about people who might wish to cross the river.“ (David Graeber, Bullshit Jobs. A Theory, NY 2018, 237)

„Economies around the world have, increasingly, become vast engines for producing nonsense.“ (David Graeber, Bullshit Jobs. A Theory, New York 2018, 146)

„Our society has reached the point where not only is the social value of work usually in inverse proportion to its economic value (the more work benefits others, the less one is likely to be paid for it), but many people have come to accept this situation is morally right.“ (David Graeber, Bullshit Jobs. A Theory, New York 2018, 196)

„Die Gesellschaft kommt nicht um die Frage herum, wie sie die gesellschaftlich notwendige Arbeit bezahlen will.“
(Mascha Madörin, in: Fair unterwegs vom 05. Oktober 2016)

„Eine ökologisch nachhaltige Produktion ist oft arbeitsintensiv, etwa in der Landwirtschaft. Wie lässt sie sich finanzieren? Das stellt uns vor ähnliche Probleme wie die Finanzierung der personenbezogenen Dienstleistungen, die ebenfalls arbeitsintensiv und deshalb nicht profitabel sind. Dieser Teil der Wirtschaft wird wachsen müssen. Das wird in ‚Green New Deal‘-Plänen notorisch verdrängt.“ (Mascha Madörin 2016 in: Quer denken)

„Wenn jemand den Satz „Wirtschaft ist Care“ nicht versteht oder ihn abwegig oder zu radikal findet, frag‘ einfach zurück: Was soll Wirtschaft denn sonst sein?“
(Ina Praetorius am 23. September 2018 auf Facebook)

„Von der begrenzten, verletzlichen Natur her die Ökonomie an ihre selbstgesetzte Zweckbestimmung zu erinnern, bedeutet also ein Zweifaches: das materiale Substrat allen menschlichen Seins wieder in den Fokus zu rücken und diejenigen in die Natur hinein trivialisierten und damit unsichtbar gemachten Hände, Sphären, Menschen und Tätigkeiten sichtbar zu machen und neu als Mitte allen Wirtschaftens zu denken. Umwelt- und Sozialpolitik hängen untrennbar, da ursächlich zusammen, und die Ökonomie muss wieder in die Mitte nehmen, was sie als ihre Mitte definiert hat: die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse der Lebenserhaltung und der Lebensqualität“. (Ina Praetorius, Wirtschaft ist Care oder: Die Wiederentdeckung des Selbstverständlichen, Berlin 2015, 32)

„(Wir) müssen Sorge ins Zentrum einer Gesellschaftsveränderung stellen und die notwendigen zeitlichen und finanziellen Ressourcen, die für gelingende Sorgebeziehungen notwendig sind, allen Menschen zur Verfügung stellen. Dafür benötigen wir einen grundlegenden Perspektivenwechsel, eine Care Revolution. Sie stellt nicht Profitmaximierung, sondern konsequent menschliche Bedürfnisse, insbesondere Sorge für sich und andere, ins Zentrum politischen Handelns.“
(Gabriele Winker, in: Care-Revolutionieren mit Grundeinkommen?, Berlin 2018, 20)

We can start with something simple: changing the conversation about economics… A first step in expanding the conversation about economics is simply to include the word ‚caring‘. This may seem like a small thing. But it’s an important step toward a new economics that gives visibility and value to what really makes us happy and healthy, and in the bargain leads to economic prosperity and ecological sustainability…“
(Riane Eisler, The Real Wealth of Nations, San Francisco 2007, 229)

„Volkswirtschaftlich gesehen übertrifft der zeitliche Umfang der Haus- und Sorgearbeit bei Weitem den der Erwerbsarbeit. Obwohl Haus- und Sorgearbeit für das Leben der Menschen fundamental sind, sind sie deutlich geringer bewertet als produzierende Tätigkeiten, nicht nur finanziell. Sie bedürfen dringend der gesellschaftlichen Aufwertung.“
(Denkschrift „Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt“ der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gütersloh 2015, 106)

„…We don’t truly believe in free-market medicine. We know that in an empathetic and caring society, life is valued above all else, especially when the life in question is in the most helpless condition possible. Deep down inside, we all intuitively know that health care is not a free market, or else society would not allow me to routinely care for people when they are in no position to make decisions for themselves.“
(Farzon A. Nahvi, Don’t Leave Health Care to a Free Market, in: The New York Times July 10, 2017)

„The purpose of studying economics is not to acquire a set of ready-made answers to economic questions, but to learn how to avoid being deceived by economists.“
(Joan V. Robinson, in: „Contributions to Modern Economics, 1978, Chapter 7)

Privathaushalte stellen kulturanthropologisch begründet eine ursprüngliche Notwendigkeit für eine sinnstiftende menschliche Daseinsvorsorge dar. Eine ‚Wirtschaftslehre des Privathaushalts‘, die sich von der mikroökonomischen Haushaltstheorie der ‚Economics‘ abgrenzen möchte, hat folglich prinzipiell alle möglichen Handlungsweisen der Menschen in der privaten Daseinsvorsorge zuzulassen. Sie hat die Aufgabe, diese Vielfalt zu ordnen, zu strukturieren, zu erklären und mit ihren Folgen für das personale und familiale Zusammenleben darzustellen.“ (Rosemarie von Schweizer, Wirtschaftslehre des privaten Haushalts, Stuttgart 1991, 27)

„Dass die hartnäckige und scheinbar un(auf)lösbare Problematik der unterbezahlten Erwerbsarbeit und unbezahlten Haus- und Sorgearbeit … von den Nutzniessenden nicht infrage gestellt wird, ist evident. Aber wieso sie von den meisten Ausge- und Benutzten schicksalsartig hingenommen wird und nicht zu zündendem Begehren nach Veränderungen führt, ist ein grosses Rätsel“
(Birge Krondorfer, in: aep informationen 3/2017, 2)

„Yes, we must speak out against corruption and the concentration of wealth in the hands of the few. Yes, we must decry the insanity of policies that enable the destruction of the natural world. Yes, we must be opposed to the cruel gutting of supports for women and children who make up the majority of the poor, and the poorest of the poor… AND we must be clear on what we are FOR. We must be able to assert a positive, integrated vision for the humane, sustainable society we know in our bones is not only possible, but necessary.“
(Riane Eisler and Ann Amberg, 09/12/2017, http://caringeconomy.org/caringrevolution/)

„Ich vermute einmal, dass Sie den Begriff ‚Care-Economy‘ beziehungsweise ‚Sorge- oder Fürsorgearbeit‘ noch nie gehört haben. Seltsam ist das nur insofern, als wir alle fundamental davon betroffen sind. Sie werden … sehen, dass dieses Nichtwissen über die Zusammenhänge zwischen Ökonomie, Geschlecht, Hausarbeit, Gesellschaft und menschlicher Fürsorge kein Zufall, sondern tief im System verwurzelt sind.“ (Gert Scobel in: „Geschäfte mit der Hausarbeit“, 3sat Sendung vom 26. April 2018, Minuten 00.52-01.00)

„Sorgearbeit ist eigentlich vermischtes Tun.“ (Uta Meier-Graewe, in: „Geschäfte mit der Hausarbeit“, 3sat Sendung vom 26. April 2018, Minuten 09.21-09.23)

„Die traditionelle Ökonomie, zumindest … in den letzten fünfzig Jahren, ist sehr stark an den Geldströmen orientiert und hat … im Blick, was da letztendlich an Produktion passiert, die man auch verkaufen kann. Das ist aber natürlich völlig verkürzt. … Es wird sozusagen nur derjenige bezahlt, der den Apfel vom Baum nimmt, und es werden nicht diejenigen bezahlt, die den Apfelbaum über Jahre gewässert, … gepflegt…, dafür gesorgt haben, dass er gedeihen kann.“ (Bernhard Emunds in: „Geschäfte mit der Hausarbeit“, 3sat Sendung vom 26. April 2018, Minuten 10.07-10.40)

„Da ist ein unglaublicher Druck, Zeit zu haben, … die wir aber brauchen, denn unsere Gesellschaft lebt sonst von der Substanz… Sorgearbeit stellt … unsere Handlungsfähigkeit auf Dauer sicher…: unsere Fähigkeit, erwerbstätig zu sein, kreativ zu sein, uns politisch zu engagieren… Wenn die Sorgearbeit eingeschränkt wird, wenn sie nicht gut geschehen kann, dann haben wir…ein grosses Problem. (Bernhard Emunds, in: „Geschäfte mit der Hausarbeit“ 3sat Sendung vom 26. April 2018, Minuten 14.15-14.40)

„Wir müssen sagen, dass wirtschaftliches Handeln schon mit dem Gebären von Kindern und ihrem Aufziehen entsteht, mit der täglichen Arbeit des Alltags… Unternehmen können ohne den Rückgriff auf die Sorgearbeit … ihren Job nicht machen. Das wäre wichtig auch in wirtschaftlichen Modellen, diese Sorgearbeit … mit abzubilden.“ (Uta Meier-Gräwe, in: „Geschäfte mit der Hausarbeit“, 3sat Sendung vom 26. April 2018, Minute 15.20-15.52)

„Wir müssen uns … als alternde Gesellschaft … die Frage stellen: Wie wollen wie diese Sorgearbeit verberuflicht erledigen, wer soll das machen? Wir befinden uns da noch auf einem Pfad der Billigdienstleistungsökonomie … mit integriertem Armutsrisiko… Wir haben ja eine ganz veritable Versorgungslücke von der Wiege bis zur Bahre… “ (Uta Meier-Gräwe, in: „Geschäfte mit der Hausarbeit“, 3sat Sendung vom 26. April 2018, Minuten 29.48-30.52)

„Gute Sorgearbeit für alle kann nur gewährleistet werden, wenn sie ausserhalb der Marktbeziehungen stattfindet und wenn diejenigen, die sie leisten, sich ökonomisch und sozial freiwillig dafür oder dagegen entscheiden können.“
(Werner Rätz, in: Care-Revolutionieren mit Grundeinkommen?, Berlin 2018, 14)

„Die Sorgearbeit, auch die unbezahlte, müsste endlich als selbstverständlicher Teil der Ökonomie betrachtet werden. Das heisst, sie muss auch in volkswirtschaftliche Kalkulationen einbezogen werden, sonst sind alle Rechnungen falsch… Wir müssen Sorgearbeit als gesellschaftliche Aufgabe ansehen und nicht glauben, dass sie sich innerhalb von Familien irgendwie mysteriöserweise von selbst erledigt.“
(Antje Schrupp, in: Care-Revolutionieren mit Grundeinkommen?, Berlin 2018, 17)

„We think of work … as making things … when in fact, even a moment’s reflection should show that most work isn’t making anything. It’s cleaning … nurturing and fixing and otherwise taking care of things. You make a cup once. You wash it a thousand times.“ (David Graeber, Interview „Imagining a world without bullshit jobs)

„… im heutigen System werden nicht nur Care-Arbeit und die Menschen, die sie verrichten, marginalisiert. Die existenziellen Bedürfnisse der Menschen … werden überhaupt abgewertet. Fetischisiert wird dagegen ein autonomes – männliches – Subjekt, ein Homo oeconomicus, der nichts und niemanden braucht und aus sich selbst heraus produktiv ist. Dieser Fetisch ist … zerstörerisch. Nicht nur wegen der Ausbeutungsverhältnisse, die er hervorbringt. Sondern auch deshalb, weil das Ideal … der Autonomie unerreichbar ist.“
(Franziska Schutzbach, Who Cares? in: bref Nr. 17, 5. Oktober 2018, 4-10, 9)

„Simon Kuznets (1901-1985)… vertrat … die Ansicht, dass unbezahlte Hausarbeit (in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung i.P.) miteinbezogen werden sollte, da sie eindeutig zur Verbesserung der ökonomischen Wohlfahrt beitrage… Vielleicht wäre Kuznets‘ Ansichten in einer friedlichen Welt eine grössere Zugkraft beschert gewesen. Die Erfordernisse des Zweiten Weltkriegs jedoch, die die Staaten zwangen, sich auf die Kriegsanstrengungen zu konzentrieren, führten die Ökonomen auf einen anderen Weg.“ (Mariana Mazzucato, Wie kommt der Wert in die Welt? Von Schöpfern und Abschöpfern, Frankfurt/New York (Campus Verlag) 2018, 116)

„…unsere Wirtschaft, darauf weist unter anderem das in der Schweiz gegründete Bündnis »Wirtschaft ist Care« hin, wird in ihrer aktuellen Verfassung nur durch unbezahlte Arbeit am Leben erhalten und hat die Care-Arbeit bislang nicht als integralen Teil der Wirtschaft verstanden.“ (Teresa Bücker, Ist es radikal, alle Care-Arbeit selbst zu erledigen? in: Süddeutsche Zeitung Magazin vom 15.Januar 2020)

„Wir brauchen ein monetäres System, das nicht mehr allein vom Warentausch und der Erwerbsarbeit her verstanden wird. In unserer gegenwärtigen Wirtschaftsordnung bilden die Geldströme nur einen sehr kleinen Teil unserer Tätigkeiten ab. Sie basieren auf einem stark verengten Verständnis von Produktion, das aus dem Zeitalter der Industrialisierung stammt. Ein neues monetäres System müsste auch die Tätigkeiten einbeziehen, die nicht nur in der Notlage, sondern zu jeder Zeit die Grundlage aller Produktion bilden. Dazu gehören die Sorgearbeit und die vielfältigen Praktiken, die das Zusammenleben allererst gewährleisten. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist dazu der entscheidende Schritt.“ (Leander Scholz, Die Welt der Sorge, in: Der Freitag 21/2020)

„Es ist wertvoll, ein Kriterium zu definieren, um argumentieren zu können. Zudem ist es sinnvoll, sich dieses Kriterium bewusst zu machen und es zu benennen. Die Bewertung von Tätigkeiten, die derzeit vorherrscht, orientiert sich auch an Kriterien – Gewinnmaximierung, Effizienz, Ressourcenverbrauch sind einige davon. Diese werden nicht extra deklariert, sie erscheinen uns ’normal‘. Durch die derzeitige Krise wird dieses ’normal‘ in Frage gestellt, und die Gesellschaft bemerkt, dass die Tätigkeiten, die ’normalerweise‘ als wichtig erscheinen, nicht mehr die allerwichtigsten sind. Auf viele hochbezahlte Managerjobs … können wir ganz gut verzichten in der Krise. Auf andere, die ’normalerweise‘ wenig beachtet werden, die schlecht oder gar nicht bezahlt werden – wie Pflegeberufe oder Care-Tätigkeiten im eigenen Haushalt – können wir als Gesellschaft und als einzelne nicht verzichten.“ (Caroline Krüger, Care – ein Kriterium nicht nur in der Krise, in: beziehungsweise-weiterdenken 26.06.2020)

„Warum gilt ein Kampfflugzeug als ‚Mittel zur Bedürfnisbefriedigung‘, nicht aber ein Mittagessen zuhause? Wer legt fest, dass Hersteller von Werbespots für Luxusnahrung Geld verdienen, nicht aber die Produzentinnen von neuen Frauen und Männern? Warum nennen wir es ‚Wirtschaftskrise‘, wenn die Absatzzahlen der Autoindustrie sinken, aber ‚Hochkonjunktur‘, wenn die Atemluft knapp wird?“ (Ina Praetorius, in: Skizzen zur Feministischen Ethik, Mainz 1995, 169)

To be continued:
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