Zitate

“Ich vermute einmal, dass Sie den Begriff  ‘Care-Economy’ beziehungsweise, ‚Sorge- oder Fürsorgearbeit‘ noch nie gehört haben. Seltsam ist das nur insofern, als wir alle fundamental davon betroffen sind. Sie werden […] sehen, dass dieses Nichtwissen über die Zusammenhänge zwischen Ökonomie, Geschlecht, Hausarbeit, Gesellschaft und menschlicher Fürsorge kein Zufall, sondern tief im System verwurzelt sind.”

Gert Scobel

„Geschäfte mit der Hausarbeit“, 3sat Sendung vom 26. April 2018, Minuten 00.52-01.00

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„Keine menschliche Produktion ist möglich, ohne dass die Natur schon produziert hat, und keine Erwerbsarbeit ist möglich ohne vorher geleistete Sorgearbeit.“

Adelheid Biesecker

Vorsorgendes Wirtschaften. Zum Verhältnis von Zeit- und Güterwohlstand aus der Geschlechterperspektive. 9 Thesen, 23.11.2014

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„Eine tatsächliche Integration der Sorge- und Versorgungsarbeit ins BIP – als Satellitenkonto wird sie ja bereits aufgeführt – würde sie direkt zum Rest der Wirtschaft in Verhältnis setzen und die Dimensionen dieses riesigen vierten Wirtschaftssektors sichtbar machen. Das würde seine Relevanz verdeutlichen und den Druck erhöhen, ihn zukünftig in wirtschafts- und sozialpolitischen Debatten zu berücksichtigen. Und das wäre dringend nötig.“

Anja Peter und Mirjam Aggeler

Care-Ökonomie aus feministischer Perspektive, p.s. die linke Zürcher Zeitung, 30.04.2021

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„Wenn Wirtschaft auf Markt und Unternehmen beschränkt bleibt, unterliegt die Ökonomie einer Tischlein-deck-dich-Illusion, dass sich wie im Märchen der Tisch selbst deckt und sich analog die Wäsche selbst wäscht, das Essen selbst kocht und Kinder, Kranke und andere Hilfsbedürftige sich selbst versorgen, solange dafür nicht bezahlt wird.“

Ulrike Knobloch

Zukunftsfähiges Versorgen – oder vom Privileg, sich nicht um Hausarbeit kümmern zu müssen, Makronom, 08.02.2021

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„Weil wir alle ein Haus brauchen, und weil das Haus von uns auch etwas braucht, nämlich Pflege und Sorgfalt, deshalb kann das Putzen nicht die niedrigste Arbeit sein.“

Katharina Zaugg

Verachtet und notwendig. Über das Putzen und ein erweitertes Ökologieverständnis, Neue Wege 1/1992, S. 5-8.

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„Wenn lebensnotwendige Arbeit nicht bezahlt wird, entsteht ein Zwang, sie gratis zu leisten. […] Das ist eine Erpressungssituation. Es gibt einfach Leute in Not, die Hilfe brauchen. Oder Kinder, die weinen und versorgt werden müssen. Diese Arbeit nicht zu machen, wäre barbarisch. […] Der Volkswirtschaftler und Nobelpreisträger Paul Krugman sagt heute: ‚Wir haben die Wahl: Entweder finanzieren wir einen Krieg, um die Wirtschaft anzukurbeln, oder wir geben viel mehr Geld aus für die Care-Ökonomie: für Bildung, Gesundheit, die Pflege der Alten usw. Aber es ist radikal tabu, dafür Geld zu drucken.'“

Mascha Madörin

„Es wäre ein riesiger Befreiungsschlag“, in: moneta, 13.03.2019

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„Es braucht schon die Last der Tradition und ein Gestrüpp aus privaten und politischen Erwartungen, um eine simple Wahrheit zu verdecken: Die unbezahlte Arbeit der Frauen ist eine Quersubventionierung der Privatwirtschaft.“

Elisabeth Raether

Frauen seid dankbar! zeit-online, 17.05.2020

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„Männer arbeiten im weltweiten Durchschnitt 6 Stunden und 44 Minuten pro Tag und werden für 5 Stunden und 21 Minuten bezahlt – also für mehr als 80 Prozent ihrer Arbeitszeit. Frauen arbeiten hingegen durchschnittlich 7 Stunden und 28 Minuten am Tag, erhalten aber nur für 3 Stunden und 3 Minuten Lohn – also für rund 41 Prozent ihrer Arbeitszeit. Ein zentraler Faktor für die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen ist, dass unbezahlte Hausarbeit, Pflege und Fürsorge weltweit zu drei Vierteln von Frauen geleistet werden.“

Oxfam

2020. Im Schatten der Profite. Wie die systematische Abwertung von Hausarbeit, Pflege und Fürsorge Ungleichheit schafft und vertieft, S. 4

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„COVID19 […] is exposing fallacies […] everywhere: The lie that free markets can deliver healthcare for all; The fiction that unpaid care work is not work; The delusion that we live in a post-racist world […].“

António Guterres

19.07.2020

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„Das englische Wort ‘Care’, das ins Deutsche übersetzt Fürsorge, aber auch Achtsamkeit, Obhut, Pflege und Umsicht bedeutet, steht […] zum einen für das Bewusstsein von Abhängigkeit, Bedürftigkeit und Bezogenheit als menschliche Grundkonstitution, und zum anderen für konkrete Aktivitäten von Fürsorge in einem weiten Sinne. Es geht um ein ‚Sorgen für die Welt‘, und zwar nicht nur durch pflegerische und sozialarbeiterische Tätigkeiten oder Hausarbeit im engen Sinn, sondern auch durch den Einsatz für einen kulturellen Wandel.

Michaela Moser

2012. ABC des guten Lebens. Rüsselsheim: Christel Göttert Verlag, Art. Care

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„We would all be dead if it weren’t for the work of caring for children, the elderly, and the sick. We would be in very bad shape if our day-to-day needs for food, clean clothes, and a habitable place to live weren’t cared for. There wouldn’t even be a labor force to go to their jobs or businesses if it weren’t for the work of caregiving.“

Riane Eisler

2008. The Real Wealth of Nations. San Francisco: Berrett-Koehler Publishers. Page 35

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„Die Wirtschaftslehre ist […] die Muttersprache der öffentlichen Ordnung, die Sprache des öffentlichen Lebens und die Geisteshaltung, welche die Gesellschaft formt. […] Wie wäre es, wenn wir nicht die etablierten, althergebrachten Theorien an den Anfang der Ökonomie stellen, sondern stattdessen die langfristigen Ziele der Menschheit, und versuchten, ein ökonomisches Denken zu entwickeln, das uns in die Lage versetzt, diese Ziele zu erreichen?“

Kate Raworth

2018. Die Donut Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört. München: Hanser. S. 15, 19

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„As many feminist economists have pointed out, all labor can be seen as caring labor, since […] even if one builds a bridge, it’s ultimately because one cares about people who might wish to cross the river.“

David Graeber

2018. Bullshit Jobs. A Theory. New York: Simon and Schuster. Page 237

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„Die traditionelle Ökonomie, zumindest […] in den letzten fünfzig Jahren, ist sehr stark an den Geldströmen orientiert und hat […] im Blick, was da letztendlich an Produktion passiert, die man auch verkaufen kann. Das ist aber natürlich völlig verkürzt. […] Es wird sozusagen nur derjenige bezahlt, der den Apfel vom Baum nimmt, und es werden nicht diejenigen bezahlt, die den Apfelbaum über Jahre gewässert, […] gepflegt, dafür gesorgt haben, dass er gedeihen kann.“

Bernhard Emunds

„Geschäfte mit der Hausarbeit“, 3sat Sendung vom 26.04.2018, Minuten 10.07-10.40

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„Wir müssen sagen, dass wirtschaftliches Handeln schon mit dem Gebären von Kindern und ihrem Aufziehen entsteht, mit der täglichen Arbeit des Alltags […] Unternehmen können ohne den Rückgriff auf die Sorgearbeit […] ihren Job nicht machen. Das wäre wichtig auch in wirtschaftlichen Modellen, diese Sorgearbeit […] mit abzubilden.“

Uta Meier-Gräwe

„Geschäfte mit der Hausarbeit“, 3sat Sendung vom 26.04.2018, Minute 15.20-15.52

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